Almabtrieb


In der Zeit vom Rosenkranzsamstag (erster Samstag im Oktober) bis Allerheiligen treibt man im Ahrntal das Vieh von den Almen: Man "fouscht huam". Am Tag des Abtriebs werden die Tiere besonders gründlich gereinigt und gestriegelt. Dann wird "ôgiheingg": Den Kühen wird eine schöne Glocke mit einem federkielbestickten Riemen umgehängt, wobei sich die Schnalle auf der rechten Seite befinden muß. Der Kranzkuh, dem schönsten und wertvollsten Tier, wird der kunstvoll bestickte, mit Glas, Perlen und Federn verzierte, oft uralte "Kronz" aufgebunden, nachdem er ihr vorher zum Beschnuppern und Gewöhnen hingehalten worden ist. Der "Kronzküihtraiba", meistens der "HiŽta" (Hütbub), stolziert mit der Kranzkuh der bimmelnden und schellenden Herde voraus. Er muß dafür Sorge tragen, daß der kostbare Kranz unbeschädigt bleibt. Auf dem Weg nach Hause wird in bestimmten Gasthäusern immer wieder Halt gemacht. Als Beispiel sei der "Linnima"-Bauer aus Luttach angeführt: "Ôgiheingg" wird an der "Wolche" in St. Peter; das erste Mal kehrt man beim "Schtochaswiischt" ein, dann beim "Bruggnwiischt", das dritte Mal beim "Moschtanwiischt" und schließlich beim "Elias" in Luttach. Der "Melcha" verteilt die schon auf der Alm gemachten "Töpfnudl" (fette, gebackene Teigbällchen, in zerlassener Butter getränkt) und bietet den Zaungästen Schnaps und Käse an. Zu Hause angekommen, nimmt die Bäuerin den Kranz ab und hängt ihn an den "Ofenstock". Das "LiŽhvieche" (gegen Bezahlung auf der Alm gesömmertes Vieh) wird schon am "Mottaistog" (Matthäus, am 21. September) abgetrieben, wirklich "huamg'foung" wird am Freitag und am Samstag vor dem "Nichtsunnta" (zweiter Sonntag im Oktober). Am Freitag bricht man auf und in Prettau wird übernachtet. Man erzählt sich, daß dort in dieser Nacht oft "Nagilan" (Nelken) für den Hutschmuck gestohlen wurden. Am Samstag wird in der "Klomme" in St. Peter "ôgiheingg", und mit einem "Juuchaza" (Jauchzer) des Kranzkuhtreibers geht's durch's Tal hinaus. Kehrt man bei einem Gasthaus ein, muß die Kellnerin den Kranz abnehmen.


KiŽhkeimma


Zum "KiŽhkeimma", der Feier am Abend des Almabtriebes, werden Verwandte, Nachbarn und Freunde eingeladen. Bis tief in die Nacht hinein wird gefeiert, gegessen (v. a. Käse, Butter, Krapfen, Topfnudeln, Strauben), getrunken (Schnaps und Wein), gesungen und getanzt. Früher spielte jemand mit einem "ZiŽcha" (Ziehharmonika), mit dem "Föüznhöübl" (Mundharmonika), seltener auf einer Zither oder Gitarre. Den Tanz eröffneten der Senner und die Bäuerin, dann folgten der "HiŽta" und das "Diongle", "wenn se söfl sain", also halbwegs erwachsen waren. Gab es während des Jahres in der Familie einen Trauerfall, so wird nach dem Almabtrieb kein "KiŽhkeimma" gehalten. Die Kranzkuh trägt in diesem Fall einen schwarzen Trauerflor oder es wird "still", also ohne Kranz und Glocken, heimgefahren.


© Öffentliche Bibliothek Ahrntal


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Diese Seite wurde am 16. September 2002. aktualisiert
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