Brot backen

Bei fast jedem Bauernhof stand früher ein Backofen, und drei oder viermal im Jahr, teilweise auch öfter, wurde Brot gebacken. Meistens buk man drei Arten von Brot, einmal aus reinem Roggenmehl, dann "'s gröübe Brüet", dem viel Kleie beigemengt wurde, und "'s Nouchngschössne", das bei geringer Hitze im dritten Backgang gebackene, oft über Nacht im Ofen belassene Brot, dessen Geschmack als besonders fein galt. Um fünf Uhr in der Früh stand man auf und knetete den Teig, in den die Dirn anschließend mit einem Messer drei Kreuzzeichen einritzte. Nun mußte der Teig einige Zeit ruhen, um "gehen" zu können. Dann wurden die Brotlaibe geformt und in den vorgeheizten und mit der "Öfnzüisse", (ein auf einer langen Stange befestigter, nasser Putzlappen) gesäuberten Backofen "eingeschossen". Die Bäuerin segnete noch einmal die Brote, auf daß das Werk gut gelinge. Beim Herausnehmen der Brotlaibe erhielten die Nachbarn manchmal ein paar als Geschenk. Das Brot wurde in den sogenannten "Brüetrohm" (Brotrahmen) gesteckt und aufbewahrt, wo es mit der Zeit steinhart wurde, sodaß es mit der "Grommbl" (ein in einer kleinen Holzlade befestigtes Brotmesser) geschnitten werden mußte. Einmal im Jahr wurde auf manchen Ahrntaler Höfen das "Bähmbrüet" gebacken, dünne Fladenbrote aus grobem Mehl und großen, süßen Rüben, den "Bähm". Die dünnen Fladen wurden anschließend im Stubenofen gedörrt und im Stampf zerkleinert, sodaß die "Bähmfille" entstand, eine süße Fülle für die sogenannten "brüetan Kropfn" und die "Öfna" (gefüllte Brote, welche im Stubenofen gebacken wurden). Später wurde die "Bähmfille" immer mehr durch das "Böxiomehl" (Mehl aus gedörrten Früchten des Johannisbrotbaumes) verdrängt. Weitere Brotarten waren das "Schwoschzbabrüet" (Schwarzbeerbrot) und das "Grischlbrüet", dem besonders viel Kleie beigemengt war.


Öffentliche Bibliothek Ahrntal


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Diese Seite wurde am 20. September 2002 aktualisiert.
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