IŽhaltn ("Ehehalten", Dienstboten)


Bei größeren Ahrntaler Bauern arbeiteten früher folgende Dienstboten (in hierarchischer Ordnung): der Knecht oder Großknecht, das "Knechtl" (Kleinknecht, ein junger Bursche), der "Füitra" (Fütterer), welcher im Sommer der "Melcha" (Senner) war, die "HiŽtabüibm" (Hütbuben), die "Diong" (Dirn, Magd) und das "Diongl" (Kleindirn, ein junges Mädchen). Dazu gesellten sich manchmal eine "Kinddiong" (Kindermädchen), ein "Guaßa" (Ziegenhirte) und ein "Schaafa" (Schäfer). Kleinere Bauern konnten sich ein "Knechtl" und ein "Diongl" nicht leisten. Die größeren Bauern, von denen es im Ahrntal allerdings nur sehr wenige gibt, arbeiteten kaum; sie halfen nur mit, wenn es sie unbedingt brauchte, ansonsten "schafften" sie dem Knecht an, brachten manchmal das "Naina" (Halbmittag) auf das Feld und überwachten die Arbeiten. Der Samstagnachmittag war eine mehr oder weniger arbeitsfreie Zeit, zumindest für die männlichen Dienstboten, wurde doch der Feierabend im Winter schon um 11.00 Uhr, im Sommer um 16.00 Uhr eingeläutet. Anders die Frauen: Sie mußten an den Samstagen noch den Stubenboden spülen und Krapfen machen - manchmal halfen auch die Knechte dabei. An diesem Tag wurden Krapfen verteilt, der Großknecht erhielt mehr davon als die anderen Dienstboten. Am Samstag war es auch Brauch, daß man die Schuhe putzte, am Sonntag wurden sie eingecremt und gebürstet.


Knecht


Er war die oberste Kontrollinstanz über die anderen Dienstboten: Er trug die Hauptverantwortung für den ordnungsgemäßen Fortgang der Arbeiten. Immer war er der Erste, sowohl beim Beten als auch bei der Arbeit. Gebetet wurde früher vor jeder Mahlzeit; beim "Förmaß" (Frühstück) machte der Knecht mit dem Löffel ein Kreuz in das Mus und begann als erster mit dem Essen. Hielt sich jemand nicht an diese feste Eßordnung, wurde er von strengen Knechten mit Mißachtung bestraft, und ungeduldige Kinder erhielten nicht selten einen ordentlichen Schlag mit dem Löffel auf ihre Handrücken. Nach dem Essen betete der Knecht wieder vor, stand sofort auf und ging als erster zur Arbeit. Eine Pause nach dem Essen war nur bei Waldarbeiten, im Winter beim Brennholzschneiden und beim "HölzkliŽbm" erlaubt.



Diong


Sie war die erste Stütze der Bäuerin bei den Hausarbeiten und beaufsichtigte die Arbeiten des "Diongle" im Haus und auf dem Feld. Morgens stand sie als erste auf und weckte den Fütterer. Beim Essen kam ihr die Aufgabe zu, die Speisen aufzutragen und den "Pfonnknecht" zu halten. Im Ahrntal gibt es Frauen betreffend einige - für sie nicht gerade schmeichelhafte - "Bauernweisheiten". Eine lautet: Wenn der Glockenturm auf dem Dach schief steht, heiratet die "Diong" - und eine zweite: Ist eine Frau als letzte mit dem Löffel in der Pfanne, so wird das Wetter schlecht!


IŽhaltn ding und lüin (dingen und entlohnen)


Meistens fragten die Bauern schon im Laufe des Sommers oder Herbstes ihre Dienstboten, ob sie ein weiteres Jahr auf dem Hofe bleiben wollten. Beliebte Tage, an denen sich die Bauern neue Ehehalten dingten, waren der "Woschtianstog" in Luttach (Sebastian, am 20. Jänner) und der Stegener Markt (26. - 28. Oktober). In Weißenbach setzten sich um Maria Lichtmeß die Bauern und die Dienstboten beim "Meisnhöf" zu einem ausgiebigen Essen zusammen und man vereinbarte die neuen Arbeitsverhältnisse. Um Maria Lichtmeß (am 2. Februar) wurden die "IŽhaltn" ausgezahlt. Der Bauer rief sie nach dem Mittagessen - in streng hierarchischer Reihenfolge - zu sich in die Oberstube oder ins "Schtibile", um bei einem Liter Schnaps den schon vor der Einstellung ausbedungenen Lohn auszuzahlen. Ein Knecht verdiente im Jahr gewöhnlich den Gegenwert einer guten Kuh, der damals viel höher lag als heute, "doppeltes Gewand" (Werktags- und Feiertagsgewand) und Schuhe, obendrein freie Kost und Unterkunft. Konnte ein Knecht nicht bis Lichtmeß auf seinen Lohn warten, so bekam er die Verachtung des Bauern zu spüren, und er wurde meist nicht mehr angestellt. Eine Magd verdiente neben dem "doppelten Gewand" etwa die Hälfte des Knechtlohns, obwohl sie meistens viel länger arbeiten mußte.



Schlenggltouge (von "schlenggl" = wechseln)


Die "IŽhaltn" wechselten ihren Arbeitsplatz recht häufig, es kam ganz selten vor, daß ein Dienstbote sein ganzes Leben lang ein und demselben Bauern diente. Nachdem die Dienstboten am 2. Februar ausgezahlt worden waren, erfolgte bis zum "Janniwanntog" (Ingenuin, am 5. Februar) der Wechsel des Arbeitsplatzes. Wechselten die Dienstboten den Arbeitsplatz, so mußten sie noch die sogenannte "Scheißschicht" machen. Man sagte, die Zeit, welche unterm Jahr mit dem Erledigen der Notdurft verbracht worden war, müsse unbedingt nachgeholt werden. Für die Frauen waren die "Schlenggltouge" die "Schifrign", die "verrückten", besonders arbeitsintensiven Tage, mußte doch der Hausrat in Ordnung gebracht, außerdem geputzt, gespült, gewaschen und die Strohsäcke ausgeschüttelt und neu aufgefüllt werden. Am Abend und in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar wurde zum neuen Arbeitgeber "giplindoscht" (umgezogen). Den Mägden half dabei meistens ein Knecht oder ein anderer Kavalier, welcher ihre Kleidertruhe auf einem Schlitten zum neuen Bauern brachte. Der neue Knecht schraubte in der Stube seines Brotgebers sein Wandkastl hinauf, welches seine Ausweispapiere, das Rasierzeug, einen Spiegel und Schuhcreme enthielt. Manchmal besaß der Knecht auch ein eigenes absperrbares Kopfbankl, welches er auf der Ofenbank plazierte. Am 5. Februar war mit einem besseren Mittagessen Einstand beim neuen Bauern.


Ahrntaler Dienstbotenlied


Folgendes Lied war unter den Dienstboten im Ahrntal bekannt und wurde manchmal gesungen. Es läßt erahnen, wie hart damals das Leben war und was es bedeutete, ein Dienstbote zu sein:


Knecht sai isch a horte Soch,
liŽba a Soldout!
Zmörganz bol do Tog ôbricht,
dou huaßt's deis schtiŽht glai au,
schteickt a Breickl (Bröcklein) Brüet in Sock
und giŽht in Wold hinauf.

Gschwitzt und gschwonzt (gerackert) in gonzn Tog,
völl Hungo und völl Duscht,
und z'nochtsn bol man huame kimmp,
dou schtiŽht di Gescht (Gerstsuppe) am Tisch.
Es fraßise (würde fressen) wöll uado (einer) laicht,
zweilf Leiffl völl kamm isch.
Bau und Bairin fressn 's Flaisch,
und ins los'nse di Gescht.
Und wenn man amoll a WeÔschtl (Wörtlein) sogg,
dou huaßt's man isch nicht wiascht (wert).
Boll s'ans zin an Knechte frougn,
dou sougn s'ans Beischte vi,
obo wenn s'ans amó in Hause hobm,
keimm ondra Sochn vi!



© Öffentliche Bibliothek Ahrntal

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Diese Seite wurde am 16.. September 2002 aktualisiert.
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