Dreschen


Noch nach dem Ersten Weltkrieg konnte man im Ahrntal im Spätherbst von allen Höfen den dumpfen Taktschlag der Drescher hören. Man kannte vor allem das "Dreier- und Viererdreschen", wobei die Drescher ständig um die auf dem Stadel liegenden Garben herumgingen und im Takt auf sie eindroschen. Bei größeren Bauern kannte man auch das "Sechserdreschen", wobei die Getreidegarben mit den Ähren nach innen und den Schöpfen nach außen auf die Dreschtenne gelegt wurden, fünfzig bis sechzig Garben auf einmal. Knechte und Mägde stellten sich nun an den Seiten auf und droschen im Sechsertakt auf die Garben ein. Dann wurden sie umgedreht und wieder durchgedroschen, so lange, bis das Korn ausgefallen war. Das Getreide wurde dann in einer Ecke der Tenne aufgehäuft und später mit der Windmühle "ougimocht", d.h. die Spreu vom Korn getrennt. Bald nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Dreschflegel durch die - zuerst handgetriebenen - Dreschmaschinen ("Mudla") verdrängt.


Bisna (Strohbesen, Rührbesen)


Hatte man aufgedroschen, wurde der "Bisna" ausgehängt. Dieser war eine große, ausgedroschene, an einer Stange angebrachte Strohgarbe; sie wurde am Dachgiebel oder an einer anderen gut sichtbaren Stelle befestigt. Der "Bisna" war ein Zeichen des bäuerlichen Stolzes, er galt als ein Signal dafür, daß auf dem Hofe besonders tüchtige Dienstboten arbeiteten und daß der Bauer vor seinen Nachbarn mit dem Dreschen der Garben fertig geworden, daß "augidröschn" war. Dies sollten auch alle deutlich sehen. Daß solch ein "Bisna" oft über Nacht von den eifersüchtigen Nachbarn gestohlen wurde, ist verständlich.


Brecheln


Im Herbst, wenn die Flachspflanzen braun wurden und die Samenkapseln reif waren, wurden die Pflanzen ausgezogen und ein paar Wochen lang in der Sonne zum Trocknen und Zersetzen ausgelegt. Dann wurden die Flachspflanzen auf dem Dreschstadel so lange mit den Dreschflegeln durchgedroschen, bis der Leinsamen aus den Kapseln gefallen war. Aus dem Leinsamen mahlte man Mehl, oder man gewann daraus das Leinsamenöl, ein bewährtes Heilmittel für Mensch und Vieh. Dann kam der große Tag des Brechelns. In einer großen, ausgemauerten Grube, der "Brechlgrüibe", wurde Feuer gemacht, darüber legte man einen Rost aus dicken Holzstangen. Auf diesem Rost wurden die Flachspflanzen leicht angeröstet, ehe sie dann in die Hände der Brechler und Brechlerinnen gerieten. Diese brachen die harte, äußere Hülle der Flachsstengel in der Brechel, einem tischhohen Holzgestell mit einer beweglichen Holzklinge, und legten somit die blonden Flachsfasern frei. Das ganze Dorf war vom hölzernen Gelärme der auf- und niedergehenden Brecheln erfüllt, während die Brechler über alles und jeden redeten, tratschten und herzogen, alles wurde eben "ougihachlt". Die Hachl ist bezeichnenderweise ein mit spitzen Nägeln besetztes Holzbrett, durch das die Flachsbüschel ("Hou") durchgezogen und von den letzten Holzteilchen gesäubert wurden. Während des Flachsbrechelns gab es den Brauch, daß vorbeigehenden Männern von den Brechlerinnen der Hut vom Kopfe gerissen und darauf der "Brechlbusche" befestigt wurde; dieser bestand meistens aus drei Nelken, etwas Rosmarin oder ein paar Kornblumen und war mit dem ersten gebrechelten "Haar" zusammengebunden. Der Betroffene mußte den geraubten Hut durch allerhand Leckerbissen, wie Wein, Kekse, "a Schomizzl Zuggolan" (eine Tüte voll Bonbons), Äpfel oder auch durch Geld von den Brechlern wiederum freikaufen. Außerdem wurden die Buben oft zum Scherz zu den Nachbarn geschickt, um einen "Brechlweitzschtua" (Brechelwetzstein) zu leihen; diese verstanden natürlich sofort, daß damit eine Flasche Schnaps oder Wein für die Brechlergesellschaft gemeint war. Den Kindern spielte man auch manchmal einen derben Scherz, indem man ihnen als "Brechlweitzschtua" einen Korb voller Steine auflud. Während der Brechelzeit gab es auch oft einen besonderen Leckerbissen zum Essen: ein mit Mohn bestreutes Mus.

Krautraito und Krautblousn


Beim Einhacken der Rüben (zu Rübenkraut) im Herbst machte man sich oft den Spaß, Kinder in die Nachbarhäuser um eine "Krautraito" (Krautsieb) zu schicken; die Nachbarn verstanden, daß mit der "Krautraito" eigentlich Wein oder Schnaps gemeint war, und sie machten den Spaß meistens mit. Einen weiteren Streich, den man Kindern während des Rübenkrauteinhackens spielte, war das "Krautblousn". Man häufelte einen kleinen Berg Rübenkraut auf und hieß die Kinder hineinblasen, um festzustellen, ob die Rüben nun schon fein genug zerhackt seien. In diesem Augenblick steckte man sie - die Kinder wußten eh meistens schon, was sie erwartete - mit dem Gesicht in das Rübenkraut.



Öffentliche Bibliothek Ahrntal

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Diese Seite wurde am 17. September 2002 aktualisiert.
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