Heuziehen


Im Winter, wenn in den Scheunen wieder Platz war, brachte man das im Sommer auf den Bergwiesen gemähte und in die "Haischupfn" eingelagerte Heu zu Tal. Morgens um fünf Uhr - nach einem kräftigen Frühstück mit "Ribla", "Gibochn" und Brennsuppe - stieg man mit "Ferggl" (flache Holzschlitten) auf dem Rücken zu den Heuschupfen hinauf. Nachdem die "Buung" (Heufuder, welche hundert Kilogramm und mehr wogen) von den Männern "g´foßn" waren, "putzte" sie der Knecht mit dem "Zouffa" (einem kurzen Holzrechen). Man zog meistens zwei Heufuder auf einmal; vorausfahren mußte immer das "Knechtl", und der Knecht fuhr als letzter. Das letzte Heufuder nannte man "Huntl". Auf besonders gefährlichen Ziehwegen brauchte es den "Schneilla", den Bremser (manchmal war es auch eine Frau). Dieser mußte darauf achtgeben, daß die "Buure" nicht "aufschnellte" und vom Ziehweg abkam. Beim Heuziehen aß man zu Mittag oft "Tunkamaislan". Wer ein Heufuder "gikeiglgg (umgeworfen) hatte, wurde geneckt und durfte seine "Maislan" nicht eintunken.


"Lichtstunde"


An den langen Winterabenden vertrieben sich die Frauen und Mädchen die Zeit mit dem Spinnen von "Hou" (Flachsfasern), "Wölle" (Wolle) und "Werch" (Werg: minderwertige Flachs- und Hanffasern). Wo es noch kein elektrisches Licht gab, zündete man Petroleumlampen an. Mancherorts gab es den Brauch der "Liëchtschtunde", in der die Lampen in der Abenddämmerung noch nicht angezündet wurden - angeblich um "Schtinkaeïl" (Petroleum) zu sparen. Es ist wohl anzunehmen, daß sich verliebte Dienstboten in dieser "dunklen" Stunde besonders nahe gekommen sind.


Schlachten


Fleisch gab es früher nur zu ganz besonderen Anlässen, doch vor Weihnachten kam die Zeit, in der man ein großes Schwein schlachtete. Sorgfältig wurde das ganze Tier verwertet: Das Blut fing man in einer Pfanne auf; es wurde gekühlt und so lange gerührt, bis es nicht mehr gerinnen konnte. Daraus wurden später die "Schwuaßnudl" (Blutnudeln) gemacht. Hirn und Nieren galten gebacken als besondere Delikatesse, welche sich meist die Bauersleute reservierten. Aus der Leber bereitete man später die Leberknödel zu. Den Schwanz samt einem schönen Fleischstück aus dem Hinterteil bekam das "Diongle", denn diese hatte das Tier gefüttert: "Afn Schwonze isch do gonze Focke dronne!", so sagte man zu ihr. Dann wurde das Schwein mehr oder weniger kunstvoll in Speckseiten zerlegt. Diese wurden mit Salz, Pfeffer und Kranebittbeeren eingerieben und für ca. vierzehn Tage in einen Holzzuber gelegt, wo sie "surten", d. h. Saft trieben; anschließend wurden sie in der Rauchküche zum Selchen aufgehängt. Aus dem übrigen Fleisch und den Innereien wurden Würste gemacht, das "Fuaß" (Fett) wurde "ausgelassen", d. h. geschmolzen und zum Backen verwendet. Aus den Borsten stellte man Pinsel und Bürsten her, ja sogar die Harnblase des Tieres wurde verwendet: Man blies sie auf, trocknete sie und stellte daraus Tabaksbeutel her.



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Diese Seite wurde am 17. September 2002 aktualisiert.
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