Noijóuschrain / Neujahrschreien


Der Neujahrtag bekommt im Ahrntal durch das "Neujahrschreien" ein eigenes Gepräge. An diesem Tag gehen die Kinder von Haus zu Haus zum "Noijóuschrain". Vor jeder Haustür wird laut und in einem singenden Tonfall der Spruch gerufen:

Wio wintschn enk a glickselligis,
faidnraichis nois Jou,
Glikk und Seign s┤gonze Jou!

Wir wünschen euch ein glückseliges,
freudenreiches neues Jahr,
Glück und Segen das ganze Jahr


Die Kinder erhalten dafür Süßigkeiten, heute auch Geld (besonders in Prettau) in ihre umgehängten Leinensäcke gesteckt. Früher brachen die Neujahrschreier schon in aller Herrgottsfrühe auf. Die Gaben, die sie erhielten waren allerdings viel bescheidener als heute: Äpfel, Nüsse, Feigen und "Böxhöüong" (gedörrte Früchte des Johannisbrotbaumes). Da die Neujahrschreier fast immer auch alle Nachbardörfer abklapperten, und dementsprechend volle Säcke mitschleppten, erregte dies nicht selten den Neid der Konkurrenten, sodaß es unter ihnen öfters zu Raufereien und Ausraubaktionen kam. Man sagte früher, es bringe Unglück, wenn zuerst ein Mädchen Neujahrswünsche ausspricht, deshalb belohnte man einen Buben für die ersten Glückwünsche mit einem entsprechend größeren Geschenk. Ebenso erhielten vielerorts die ersten Schreier, die am Morgen kamen, etwas mehr. Neben dem oben angeführten, üblichen Spruch gab es noch einige Varianten von Neujahrschreierversen und Zusätze. Wer diese aufsagen konnte, bekam üblicherweise etwas mehr.

Wio wintschn enk a glikkselligis nois Jou
a Tirgge-und a Plentejou
Rüibm fiele Schtare
kua Okko laare
an Haischtökk as wi do Wölfasköüfl
Grüimat fiel und nö mia Pöüfl
recht schiena Fokkn
Wai und Milch gonza Lokkn
Glikk in Haus und Glikk in Schtoll
Göttes Seign ib┤roul.

Wir wünschen euch ein glückseliges neues Jahr
ein Mais- und ein Polentajahr
Rüben viele Stare
kein Acker leer
einen Heustock wie der Wölfaskofel
Grummet viel und noch mehr Pofel
recht schöne Facken
Wein und Milch, ganze Lacken
Glück im Haus, und Glück im Stall
Gottes Segen überall.


I wintsch in Paung an Peitl völle Dukatn
do Pairin Schmolz ins Goddn
in Nehn a Pfaifl mit silbran Lukk
do Nahdlan a Püich mit grüeßn Drukk
in Knecht an güitn Will
und do Diong Augnbrill
in brafn Kindon an Sokk fölle Piong
und in tirmischn a Rüite zi schmiong
in Duschtign an Kiebl fölle Wosso
hafrina Nökkn in raichn Prossa
in Gangga in Puggl s┤Fogicht
in Schutzengl a lochints Gsicht
fiel Glikk und Seign in do Zeit
und a güita Heirbige in do Iebigkeit.

Ich wünsche dem Bauern einen Beutel voll Dukaten
der Bäuerin Schmalz im Gaden(Speisekammer)
dem Großvater eine Pfeife mit silbernem Luck
der Großmutter ein Buch mit großem Druck
dem Knecht einen guten Willen
und der Dirn Augenbrillen
den braven Kindern einen Sack voll Birnen
den ungezogenen eine Rute zum Schlagen
den Durstigen einen Kübel voll Wasser
haferne Nocken dem reichen Prasser
dem Teufel im Buckel die Gicht
dem Schutzengel ein lachendes G`sicht
viel Glück und Segen in der Zeit
und eine gute Herberge in der Ewigkeit.


Vöü do Hitte giŰht do Wind
wou Jöüsef und Maria sind.
In di Luntn Hai und Schtrüeh
und di buadn sain söü früeh.
GiŰht a Glonz van Kinde aus,
Glick und Se´gn in gonzn Haus.

Wio wintschn enk a glickselligis fraidnraichis nois Jou
Glick und Se´gn 's gonze Jou.
Glick und Se´gn in und aus,
Glick und Se´gn 's gonze Haus!

Wio wintschn enk a glickselligis fraidnraichis nois Jou
Glick und Se´gn 's gonze Jou.
An augideickto Tisch,
in oll vio Eiggn a Fisch,
in do Mitte a Litto Wai,
donna meig wo olla luschtig sai.

Vor  Häusern,  in denen  sich  der  erwünschte  Kindersegen  einfach  nicht
einstellen wollte, hörte man gerne folgenden Spruch der Neujahrschreier:

A longa, longa SchtiŰge,
af olla Schtopfn a WiŰge,
in a jeda WiŰge a Kind,
olls Beischte zin noin Joure gschwind!



Noijou- Sougn / Neujahr-Sagen


Im Ahrntal ist es Brauch, dass das Patenkind dem "Teitn" (dem Paten) und der "Töüte"(der Patin) die Neujahrswünsche bis zum Dreikönigstag persönlich überbringt-, als wirklich letzter Termin galt Lichtmeß-, und zwar gibt das Patenkind dem Paten die Hand, und sagt den Spruch der Neujahrschreier auf. Dafür erhält es etwas mehr als die gewöhnlichen Neujahrschreier. Von der "Töüte" (der Patin) erhielt das Patenkind oft die sogenannten "Mandltiechlan" (mit allerlei Motiven bedruckte Stofftaschentüchlein, auch "Schnaiztiechlan" genannt).


ę Öffentliche Bibliothek Ahrntal

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Diese Seite wurde am 17. September 2002 aktualisiert.
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