Brauchtum rund um Ostern

Palmsonntag


Am Palmsonntag wallfahrteten die Ahrntaler in Gruppen zum Schloßkreuz nach Sand in Taufers. Grund dafür war anscheinend nicht die besondere Frömmigkeit der "Teilldra" (Ahrntaler), sondern das jährliche Wett-Raufen mit den "Daussign" (die von "draußen"). Man vermutet darin einen heidnischen Ursprung. Das Raufen soll den Kampf des Winters mit dem Frühling versinnbildlichen.


Palmbesen


Am Palmsonntag bringen die Buben die "Palmbesen", oft sind es bis zu zehn Stück, auf hohen Stangen zur Weihe in die Kirche. Diese sind aus Palmkätzchen- und "Kranebitt"- (Wacholder) Zweigen, manchmal auch einigen Ölzweigen gebunden und sind mit farbigen Kreppapierbändern geschmückt. Früher schmückte man sie mit gefärbten Hobelspänen. Nach der Messe verkaufen die Buben die "Palmbesen" an die Kirchgänger; in Prettau lässt jede Familie ihren eigenen "Palmbesen" weihen. Der "Palmbesen" wird dann zu Hause sorgfältig aufbewahrt, und bei schweren Unwettern zündet man ein paar Zweige davon im Küchenherd an. Ein Zweig des "Palmbesens" findet immer im Herrgottswinkel der Stube Platz. Wer im Ahrntal am Palmsonntag als letzter aufsteht oder mit seinem "Palmbesen" als letzter in die Kirche kommt, wird spöttisch "Palmesel" genannt.



Osterbeichte


In der Osterzeit war es üblich, dass jeder die Osterbeichte ablegen musste. Natürlich wurde dies auch kontrolliert. Als Bestätigung für die abgelegte Beichte erhielt man früher den Beichtzettel, deren Abrisse der Bauer einsammeln und zum Pfarrer bringen musste. Der Bauer wurde von der Kirche nämlich dafür verantwortlich gemacht, dass seine Kinder und die Dienstboten wirklich zur Beichte gingen. Einige Ahrntaler erzählen, dass dieser Umstand manchmal zu Schwindeleien Anlass gab: Manche gingen zweimal hintereinander zur Beichte und verkauften dann einen Beichtzettel an die, die nicht beichten, aber dafür bezahlen wollten.


Gründonnerstag


Am Gründonnerstag war es mancherorts Brauch "kuschza Krapflan" mit einer Mohnfülle und "Dunkaschmolz" (Eindunkbutter) zu essen. Vom "Waichn Pfinzta" bis zum Gloria in der Osternacht bleiben als Zeichen der Trauer um das Leiden und Sterben Christi die Glocken auch auf den Ahrntaler Kirchtürmen stumm. Stattdessen ertönt die "Raatsche" , eine Holzwelle, welche beim Drehen knarrende, klappernde, weitum hörbare Geräusche erzeugt. In dieser Zeit wird auch das Glöckchenläuten der Ministranten während der Messe durch das Klappern einer Hand- "Raatsche" ersetzt.



S´Waiche (Das Geweihte)


Um Ostern bringen die Frauen Speisen, meistens Speck, Eier, Schinken, Kren, Brot, früher auch "moura Plattlan" (ein süßes Gebäck), Mohnkrapfen , "Öfnmüis"(im Ofen gebackener Kuchen) und Germzopf in die Kirche, um sie vom Pfarrer weihen zu lassen. Das "Waiche" wird beim Mittagessen als Vorspeise gegessen, wobei man besonders Acht gab, dass man ja nichts von den geweihten Speisen verstreute. Dazu isst man Kren, damit man, so sagte man früher, das ganze Jahr über vom Ungeziefer befreit bleibt. Vor dem festlichen Osteressen wurde mancherorts ein geweihtes Ei über das Hausdach geworfen und an der Aufschlagstelle eingegraben. Dies soll das Haus vor Unheil, vor Blitzschlag, vor Lawinen und "Gissen" (Murbrüchen) schützen. Um Ostern schenkten die Mädchen ihrem "Löüto" (Freund) ein schön bemaltes Ei. Die Patenkinder erhielten in dieser Zeit von ihren Paten einen Hefeteigkranz und mehrere gefärbte Eier.



Ostersamstag


Am Karsamstag wurde um sechs Uhr in der Frühe auf dem Kirchplatz das Osterfeuer gesegnet, für das nur "Kranewitt" (Wacholder)- Äste verwendet wurden durften. Um sieben Uhr in der Frühe wurde ein Hochamt mit Gloria gefeiert, danach folgte eine stille Anbetung am Ostergrab bis neun Uhr. Während des Hochamtes gab es- anscheinend nur in St. Jakob- einen seltsamen, heidnisch anmutenden Brauch: Ein Kind oder einer von den Dienstboten mußte während des Glorialäutens zuhause zu allen Obstbäumen des Hofes laufen, und mit einem Stock gegen den Stamm schlagen. Dies sollte das gute Tragen, die Fruchtbarkeit der Obstbäume, garantieren. Die Auferstehungsfeier fand am Karsamstag um 3 Uhr nachmittags statt;während der Feier wurde das Lied "Christus ist erstanden" gesungen.



Ostergrab


Früher wurde am "Waichn Pfinzta" in jeder Kirche das Ostergrab aufgestellt, das fast den ganzen hinteren Altarraum ausfüllte. Es war mit "Üeschtokugl" (farbigen Glaskugeln) verziert, hinter denen Öllämpchen brannten und diese in prächtigen Farben erstrahlen ließen. Vor dem Grab wurden zwei Wächter postiert, welche "die Juden" genannt wurden. Am Karsamstag während der Auferstehungsfeier kam es dann zu dramatischen Szenen: Während der Pfarrer das "Christus ist erstanden" anstimmte, entstieg dem Grab wie von Geisterhand die Statue des auferstandenen Christus; gleichzeitig stürzten die Grabwächter, die "Juden", theatralisch zu Boden; zugleich fielen die Vorhänge mit denen mancherorts die Kirche verdunkelt gewesen war. Der Brauch Ostergräber aufzustellen wird heute wieder mehr belebt.


© Öffentliche Bibliothek Ahrntal

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Diese Seite wurde am 20. September 2002 aktualisiert.
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