Heilig Abend


Am Heiligabend-Morgen wurde nicht gefrühstückt, dafür gab es das Mittagessen bereits um etwa 10 Uhr vormittags. Meistens trug man eine Erbsensuppe, verschiedene Krapfenarten, ein Mohnmus, "Maislan" und Milch auf. Kam jemand während des Mittagessens, so bedeutete dies ein großes Unglück. Man befürchtete, dass jemand aus der Familie sterben müsse. Ein Hahnenschrei während des Essens bedeutet, so sagte man, dass die Magd heiratet- deshalb versuchten verschmitzte Leute immer wieder den Hahn während des Mittagessens zum Krähen zu bringen, um die Mägde "zi tikkn" (zu necken). Am Heiligabend war bis 6 Uhr abends Fleischfaste, danach wurde meistens Fleischsuppe aufgetischt. Sich um Weihnachten zu beschenken war früher nicht üblich. Im hinteren Ahrntal pilgerten viele Familien vor der Mitternachtsmette nach Heilig Geist. Am Heilig Abend sei man drei Mal in Gefahr, so sagte man im Ahrntal: Vormittags bis 10 Uhr sei man in Gefahr "zi dohungon" (zu verhungern), abends drohe man nach dem Abbruch der Fleischfaste "zi doschneill" (zu platzen), und nachts sei man auf dem Gang zur Christmette in Gefahr "zi fokugl" (abzustürzen).


Wolfssegen


Noch um etwa 1900 wurde in Luttach während der Christmette der Wolfssegen erteilt, ein Segen, der vor Überfällen durch Wölfe schützen sollte. Die Wolfsplage stellte bis zum Ende des 19. Jhs. eine wirkliche Bedrohung der Bevölkerung der Einödhöfe dar. Die Ahrner Bauern leisteten daher dem Schloßherrn von Taufers jährlich eine Haferabgabe, weil er immer wieder Jagdzüge gegen die Wölfe unternahm.



Adventkranz, Christbaum und Krippe


Den Brauch einen Adventkranz in Privathäusern aufzustellen, kennt man im Ahrntal noch nicht sehr lange. Christbäume wurden im Ahrntal erst allmählich in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg in Häusern, in denen es Kinder gab, aufgestellt; man schmückte ihn allerdings viel einfacher als heute, indem man häufig Äpfel, "Zuggolan" (Bonbons) und Kekse aufhängte. Viel länger gibt es den Brauch, eine Weihnachtskrippe aufzustellen. Besonders schöne, weitum bekannte Krippen stellte man beim "Rouda" in Steinhaus, beim "Neikkla" in Mühlegg und an der "Brente" in St. Peter auf. Geistliche besuchten diese Krippen mit ihren Schulklassen, auch ging man oft extra dorthin zum "Nojouschrain" und zum "Krippe schaugn".


Sternsingen


In der Weihnachtszeit gingen die Kirchensänger von Steinhaus und Prettau von Haus zu Haus zum Sternsingen; man sang in den Häusern ein Hirten- und ein weltliches Lied und erhielt dann den Lohn für das Singen während des Jahres. In manchen Häusern bekamen die Sänger ein Essen, meistens Gerstsuppe mit Krapfen; in diesen Häusern wurde natürlich länger gesungen als in anderen. Dieser Brauch entstand schon im vorigen Jahrhundert und wurde in Steinhaus bis zum Ende der Vierzigerjahre, in Prettau noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg, gepflegt.



Rauchnächte


Ein Brauch, der teilweise heute noch gepflegt wird, ist das "Raachn"(Räuchern) am Heiligen Abend, am Silvesterabend und am Vorabend zu Dreikönig. Der Hausvater trägt eine Räucherpfanne mit Glut, in die geweihte Kräuter und (heute) einige Körner Weihrauch gestreut werden, durch das ganze Haus und in den Stall. Früher war es Brauch, Hüte und die Kopftücher über die Räucherpfanne zu halten und sie dann wieder aufzusetzen. Dies sollte Leib und Seele vor Unheil bewahren. An diesen Abenden mussten früher alle Dienstboten zuhause bleiben, sonst hätte der Bauer sie entlassen können. Während des Räucherns wird gebetet und Weihwasser gesprengt.


Stefanstag


Das am Stefanstag geweihte "Stefanswasser" soll besonders gegen Steinschlag schützen; dies glaubt man, weil der Heilige Stefanus gesteinigt wurde. Der Gasserbauer aus St. Peter besaß im benachbarten Krimmler Achental die "Seilde", eine besonders steinschlaggefährdete Alm. Er dankte dem Heiligen für dessen Schutz, indem er am Stefanstag die Kinder aus St. Peter zu einer Marende einlud. Zu dieser Marende mußte jeder seinen eigenen Löffel mitbringen, und der älteste Bub sprach das Tischgebet.



Johannessegen


Am Tag des Heiligen Johannes wurde Wein geweiht; dies kommt daher, daß dem Heiligen ein Becher vergifteten Weines zum Trinken vorgesetzt wurde, was dieser anscheinend unbeschadet überstand.


Öffentliche Bibliothek Ahrntal

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Diese Seite wurde am 20. September 2002 aktualisiert.
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