„Wischpilan schnitzn“ 


Im Frühling, wenn die Eschen ausschlagen, lehrten die Väter ihre Söhne oft „Wischpilan“(Pfeifen) schnitzen. Während mit dem Heft des Taschenmessers auf die Rinde eines schönen, geraden Eschreises geklopft wurde, um  die Rinde abzulösen, beschwor man diesen Vorgang mit folgendem Spruch:

 

Pfaiffe, Pfaiffe, raid di

ödo i doschnaid di

schtaig a auchn af´s Mihldoch

und follt ochn in Kotzpoch

in Aussopoch, in Indopoch

wou di Lappin Kropfn pocht

kimmp do Loppe z´essn

hot a in long long Leiffl fogessn

schtaig a auchn an Schtoudl

pittit um Noudl und Foudn

follt a oudos Kiehlöch

und donna graatscht ihn di Küi zomm.

Pfaiffe, Pfaiffe raid di

ödo i doschnaid di

do Kotzn get do Polg ou

dio get a a ou

gesch´ de neit ou 

na schloug i di ou!

Pfeife, Pfeife, geh ab,

oder ich zerschneide dich,

steigt er hinauf auf das Mühlendach,

und fällt hinab in den Katzenbach,

in den Außerbach, in den Innerbach,

wo die Lappin (zerstörerischer Dämon, der in Bächen hausen soll) Krapfen backt,

kommt der Loppe zum Essen,

 hat den langen langen Löffel vergessen,

steigt er hinauf auf den Stadel,

 bittet um Nadel und Faden,

fällt hinab durch´s Kuhloch,

und dann frisst ihn die Kuh auf.

Pfeife, Pfeife, geh ab,

sonst zerschneid ich dich.

Der Katze geht der Balg ab,

gehst du nicht ab,

schlag ich dich ab!

 

Eine kürzere Variante des Beschwörungsspruches beim Pfeifenschnitzen lautet:

 

Kotznplog, Kotznpolg

gesch´de neit ou

sischt schloug i di ou! 

 

Katzenbalg, Katzenbalg,

gehst du nicht ab,

sonst schlag ich dich ab! 

 

© Öffentliche Bibliothek Ahrntal 

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Diese Seite wurde am 20. September 2002 aktualisiert.
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