19.Dezember 1943:
Ein Luftkampf über dem Ahrntal



Auszug aus : Steger Konrad, Geschichte von St. Jakob im Ahrntal seit 1914, Diplomarbeit, 1987, vorgelegt bei Univ. Prof. Dr. Johann Rainer, Institut für Österreichische Geschichte




St. Jakob im Dezember 1943. Der Zweite Weltkrieg verschont auch das Ahrntal nicht. Einige fanatische Dorfnazis hatten  dem Pfarrer von St. Jakob, Josef Reifer, noch nie seinen Einsatz für das Dableiben während der Optionszeit verziehen- im Dezember 1943 ergab sich endlich eine Gelegenheit sich an ihm zu rächen: Am 19. Dezember 1943, nach einem heftigen Luftkampf zwischen deutschen und amerikanischen Flugzeugen über St. Jakob,  stürzte ein viermotoriger, amerikanischer  B-17-Bomber brennend ab und zerschellte nahe den Höfen "Vierößl" und "Hittl" im Wald. Fünf Mann der Besatzung fanden dabei den Tod, fünf konnten sich mit Fallschirmen retten. Sie waren zum Teil leicht verwundet und wurden sofort von SOD - Männern (Südtiroler Ordnungsdienst) des Dorfes gefangengenommen und abgeführt. 


Die Crew der B-17 "Flying Fortress", welche oberhalb von St. Jakob abstürzte
(hintere Reihe, dritter v.r. Don Lewis)

Aus den Dokumenten der gefallenen Amerikaner ergab sich, dass sie Christen waren; sie wurden daher auf dem Friedhof von St. Jakob begraben. Pfarrer Josef Reifer verkündete auf den 14. Jänner 1944 ein Requiem für sie. In Der Pfarrchronik von St. Jakob berichtet Pfarrer Josef Reifer selber über die weiteren Ereignisse:

„Diese Tat war den Nazihäuptern die willkommene Gelegenheit, gegen den Pfarrer vorzugehen und ihm beim Kommissär anzuzeigen als amerikanophil. Es kam am 13. Jänner der Wachtmeister von Sand und führte den Pfarrer ab, ohne ihm zu sagen warum und wohin es mit ihm geht. Da der Pfarrer nicht ohne weiteres gehen wollte, drohte der Wachtmeister Gewalt zu gebrauchen und daraufhin folgte ihm der Pfarrer. Zuerst nach Bruneck in den Kerker und am nächsten Tag nach Bozen, dort war eine kurze Verhandlung und als und mit dem Feind schuldig eingesperrt. Mit dem Urteil „Jetzt wird man den Geistlichen schon helfen, Sie sind der erste, der an die Wand gestellt wird " blieb der Pfarrer 3 Monat eingesperrt als prigioniere isolato ( Übers: isolierter Gefangener. Anm. des Verf.), bis er dann am 17. April, da man ihm nichts Weiteres nachweisen konnte, freigelassen wurde mit dem Verbot nicht mehr in seine Pfarrei zurück zu kehren und sich zum Gedanken „Großdeutschland" anders einzustellen. 

Ende Mai 1945 kehrte Pfarrer Josef Reifer aus seiner Verbannung wieder in die Pfarrei St. Jakob zurück. Erbittert und enttäuscht vermerkte er in der Pfarrchronik:

„Im Mai 1943 hatte man dem Pfarrer ein schönes Fest mit viel äußerem Pomp zu seinem 25 jährigen Priesterjubiläum veranstaltet, es war das Hosianna, dem ein halbes Jahr darauf das Cruzifige folgte. Heilandslos, priesterlos! (...) Der unselige Parteienstreit hatte sich etwas gelegt, wenn auch seine Spuren noch Jahre hinaus bestehen bleiben werden..."

50 Jahre später

Dem Religionslehrer Andreas Gruber aus St. Jakob und dem Nordtiroler Historiker Keith Bullock ist es gelungen in den Vereinigten Staaten einen Überlebenden des Flugzeugabsturzes ausfindig zu machen. Donald Lewis, so der Name eines überlebenden Besatzungmitgliedes der B-17 "Flying Fortress" kommt aus den USA nach St. Jakob , um an der Absturzstelle eine Gedenktafel zu enthüllen. Die Gefallenen erhalten fünfzig Jahre später doch noch ein Requiem, das ihnen während des Krieges vorenthalten worden war. Es kommt zu einer bewegenden Szene an der Absturzstelle:  Ehemalige Feinde begegnen sich und reichen sich die Hände. 


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