"Das war damals etwas wert!"




Erinnerungen von Eduard Tasser

Josef Hofer aus Prettau und die Verwertung eines Flugzeugwracks vor 50 Jahren



Josef Hofer, in Prettau einfach "do Luggl Seppl", kann sich noch gut erinnern, wie das Flugzeug am 5. Juni 1945 über das Dorf hinweg donnerte und dann in der Nähe der Birnlückenhütte, am "Pöckegge" abstürzte. Hinauf zur Unglückstelle durfte der 14-Jährige damals allerdings noch nicht. Doch das sollte sich bald ändern.



Bald einmal nach dem Unglück haben wir erfahren, dass das Aluminium Käufer findet. So sind wir hinauf und haben begonnen, das Flugzeug auseinander zu nehmen. Im vorderen Teil war es ja total ausgebrannt, hinten aber eigentlich noch ganz ordentlich. So haben wir das Zeug dann heraus getragen. In der ersten Zeit haben wir 27 Lire für ein Kilogramm Aluminium bekommen. Das war in der damaligen Zeit viel Geld (Anm. d. Red. entspricht heute ungefähr einem Kilopreis von 1500 Lire). Zuletzt bekamen wir sogar 100 Lire für ein Kilogramm. Da konnte man eine schöne Schicht verdienen.

Deshalb sind nicht nur Prettauer hinauf zum Flieger, sondern auch Männer aus St. Peter. Das Aluminium hatte damals großen Wert. Aus dem Blech konnte man allerhand Gebrauchsgegenstände machen: Deckel für Kochtöpfe, Lampenschirme, Wasserwannen und -leitungen. Viel wurde auch an einen Mechaniker in St. Jakob verkauft. Der hat es eingeschmolzen und Kugellager für Seilwinden daraus gegossen.



Reste des Flugmotors an der Unglücksstelle. Aufnahme: August 2002

Heute liegt an der Unglückstelle nur mehr die Öldruckachse und ein Motor. Alles andere wurde damals herunter getragen, auch die Räder, die nicht verbrannt sind.

1951 habe ich das letzte Mal etwas herausgetragen: einen Motor. Es war am Tag bevor ich zur Musterung nach Bozen musste. Ich war bei der Lahneralm Edelweiß pflücken. Da habe ich mir gedacht: Zum Flieger schau ich auf alle Fälle hinüberí. Dort habe ich dann den Motor gesehen, richtig handlich zum Angreifen. Leider hatte ich keine Kopfkraxe mit. So musste ich unverrichteter Dinge wieder heim. Zuhause habe ich den Vater gebeten, dass er mich am nächsten Morgen um zwei Uhr weckt. Um halb sechs in der Früh war ich dann schon wieder beim Flieger. Irgendwie ist es mir gelungen, den Motor auf die Kraxe zu rollen und anzubinden. So beladen bin ich dann sieben Stunden weglos unterwegs gewesen. Normal braucht man eine gute Stunde bis zur Kehreralm. Aber ich habe mich verschätzt. Besser wäre gewesen, ich hätte den Motor unterwegs nicht abgeladen. Doch ich wollte ihn über das steile Gelände rollen. So wurde er schließlich aber so verbogen, dass er sich nicht mehr rollen ließ. Zuletzt musste ich ihn sogar wieder ein Stück aus einem Bach herauftragen. Als ich schließlich bei der Kehreralm ankam, wollte ich den Motor am Fahrrad festbinden. Doch das ist unter der Last zusammengebrochen. Immerhin wog der Motor 150 kg. So musste ich ihn bei der Kehreralm liegen lassen und bin zur Musterung nach Bozen. Die haben Augen gemacht, als sie bei der Musterung meine Striemen von der Kraxe gesehen haben.

In der Zwischenzeit haben mein Vater und mein Bruder den Motor mit einem Karren nach Hause gebracht. Als ich dann von der Musterung heim bin, habe ich ihn verkauft: 5000 Lire habe ich dafür bekommen - viel Geld damals!



Luggl-Sepp
Josef Hofer
"Luggl-Seppl" aus Prettau


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