Humor aus dem Ahrntal II

Der missglückte Primizböller

Nach dem Ende des Krieges lagen im Ahrntal noch lange Zeit Kriegsrelikte herum: Waffen, Sprengstoffe und massenhaft Munition-, nach dem Zusammenbruch von durchziehenden Soldaten einfach achtlos weggeworfen.Die Ahrntaler gingen recht sorglos mit diesen gefährlichen Materialien um, die Bauern sprengten Steine damit auf ihren Feldern, den Kindern dienten sie als Abenteuerspielzeug, und man entwickelte eine geradezu kindliche Freude daran zu allen möglichen feierlichen und weniger feierlichen Anlässen zu schießen und zu böllern.
Der Neuhaus - Seppl und der Locha - Vitus sind auf die Primizfeier des Brunn - Alfons, des Innerbichler Alfons, am 02. Juli 1946 in St. Jakob schon bestens vorbereitet: Auf dem Stadel des Neuhaus - Seppl lagert ein Böller der besonderen Art: eine armlange, dicke Granate. Sie würde einen ordentlichen "Tusch" abgeben, davon ist auch der Locha - Vitus vollkommen überzeugt.

Der große Tag ist da, der Primiziant ist unter dem Jubel der Bevölkerung in die Kirche eingezogen, ganz St. Jakob ist ein Fahnenmeer und so machen sich auch die Zwei bereit der Feierlichkeit eine noch festlichere Note zu verleihen.
Der Neuhaus - Seppl hat schon eine günstige Stelle für die Zündung des Böllers ausfindig gemacht: eine Feldmauer nahe dem Hofe.

"Muaschte neĦt, wio misn awi waita wek foung?", meint der Locha - Vitus skeptisch und schielt voller Respekt auf den riesigen Böller.
" Nâ, nâ, dos tüt nicht, du wescht di decht neĦt fischtn, du Schaissa?", erwidert der Neuhaus - Seppl , der schon viel Erfahrung mit Böllern aller Art hat, und der Vitus wagt darauf hin nichts mehr einzuwenden.

Man entzündet ein kleines Feuerchen auf der Feldmauer, legt den Böller darüber und springt hinter einen Stein in Deckung.
Plötzlich ein dumpfer Knall, - der Seppl und der Vitus sind mit dem Resultat gar nicht zufrieden. Als die zwei nun hinter ihrer Deckung hervorlugen, erschrecken sie: Ein riesiges Flammenmeer hat sich auf der Wiese und auf der Feldmauer ausgebreitet, ganz in der Nähe des Hofes brennt lichterloh ein Holzstapel. Nun rennen die Zwei mit Wassereimern, doch vergeblich, als das Wasser mit dem Feuer in Berührung kommt, schlagen die Flammen nur noch weiter auseinander. Als das Feuer schon auf den Hof überzugreifen droht, kommt dem Neuhaus - Seppl endlich die rettende Idee: Sand! - und tatsächlich gelingt es den Zwei das wilde Feuer zu löschen.

"Taifl, itz hatt wo wö glai di Hitte ôgschiischt!", meint der Neuhaus - Seppl nachdenklich.

Ihr "Tuscha" war eine Phosporbombe gewesen!

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Diese Seite wurde am 01. Februar 2004 aktualisiert.
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